Vom Alten Franziskanerkloster zum Museumsquartier

von Max Tewes, Museen der Stadt Landshut

Vom Kloster zur Gaststätte, vom Fabrikgelände zum Kulturquartier – das Areal des 1280 gegründeten Franziskanerklosters am Fuße des Hofbergs blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Der niederbayerische Herzog Heinrich XIII. hatte die Franziskaner nach Landshut berufen. Ihre Hauptaufgabe lag in der Seelsorge in der rasch wachsenden Stadt. Das Klosterareal lag zunächst vor den Mauern der Stadt und wurde wohl erst mit der Gründung der Freyung 1338 in den städtischen Mauerring einbezogen. Ein besonderes Merkmal der mittelalterlichen Klosteranlage war der doppelte Kreuzgang. Der äußere Kreuzgang diente dabei als Begräbnisstätte für Adelige und Bürger.

Nichts blieb von der großen Kirche mit ihrer gotischen und barocken Ausstattung, den weitläufigen Gärten, den Wirtschaftsgebäuden – nur eine Ansicht und ein Plan erinnern heute noch an sie: 1802 wurde das Kloster säkularisiert und der 1800 nach Landshut verlegten Universität überlassen. Stückweise wurden die Grundstücke und Gebäude verkauft und zum großen Teil abgebrochen, die Kunstwerke in alle Winde zerstreut.

Der Innenhof des alten Franziskaner Klosters

1839 erwarb der Leihhausbesitzer Clemens Prantl den größten Teil des ehemaligen Klosterkomplexes und betrieb darin eine Brauerei sowie einen vielbesuchten Biergarten, den sogenannten »Prantlgarten«. 1861 wurde hier eine Dampfmaschine zum Brauereibetrieb aufgestellt, 1884 eine elektrischen Beleuchtung in deren Festhalle installiert, 1896 ein Musikpavillon in Muschelform errichtet.

Im ersten Weltkrieg nutzte das Militär die Halle, der Maler Paul Klee erhielt hier 1916 als Rekrut seine Uniform. Die allgemeine Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg führte 1923 zur Schließung von Brauerei und Gastwirtschaft. Die Bezeichnung »Prantlgarten« allerdings hat sich bis heute erhalten. In den folgenden Jahrzehnten sah das Gelände des ehemaligen Klosters eine vielfältige Nutzung für Gewerbe- und Wohnzwecke, aus der Brauerei wurde eine Malzfabrik. Deren Stilllegung 1975 und ihr Ankauf durch die Stadt Landshut 1979 eröffneten neue Perspektiven. Die Fabrikgebäude wurden abgebrochen, die Stadtmauer saniert, das Industriegelände verwandelte sich in eine baumbestandene  Wiese. 1988 erwarb die Stadt auch die Kreuzganggebäude Haus-Nr. 483 und 484 und nutzte sie für die städtische Verwaltung.

Der Innenhof mit Blick auf die renovierten Abschnitte des Stadtmuseums

Eine neue Akzentsetzung erhielt das Prantlgarten-Areal mit der Errichtung des Skulpturenmuseums für Werk und Sammlungen des Künstlers Fritz Koenig, das 1998 eröffnet wurde. Parallel dazu erfolgte die Sanierung des West- und Nordflügels des ehemaligen Klostergebäudes. Seit 1999 werden hier im »Museum im Kreuzgang« durch die Museen der Stadt Landshut regelmäßig wechselnde Ausstellungen zur Kunst und Kulturgeschichte von Stadt und Region präsentiert. Seit 2011profiliert sich das KASiMiRmuseum mit einem attraktiven Programm für Kinder.

Mit dem Umzug der Verwaltung in das neue Rathaus II bot sich erstmals die Chance für die Verwirklichung der Vision des Freundeskreises Stadtmuseum e.V.: Ein modernes Stadtmuseum in einem stadteigenen Gebäude, ein Ort mit Verweilqualität, ein Raum für museale Bildung – ein Museum mit unverwechselbarem Gesicht für die Bürger der Stadt und ihre Gäste.

Das Architekturbüro Nadler und Sperk konkretisierte diese Vision. Im August 2015 begannen die Arbeiten für den 1. Bauabschnitt des LANDSHUTmuseums. Der »Freundeskreis« beteiligte sich an diesem kulturellen Infrastrukturprojekt bereits im ersten Bauabschnitt mit 650.000 €. Im Dezember 2016 präsentierte das LANDSHUTmuseum seine erste Ausstellung: »Landshut in der Moderne«.

Wie geht es weiter? Die Planungen durch das Architekturbüro Hild und K sind fertiggestellt, der Freundeskreis hat weitere substantielle Beiträge zugesagt. Die Vision eines Museums für Landshut und die Vollendung des Museumsquartiers warten auf ihre Realisierung (MT).

Zugang zum geschlossenen Mitgliederbereich

Wir bitten alle Mitglieder, die uns bisher noch nicht geantwortet haben und einen Zugang zum Mitgliederbereich unserer Homepage wünschen, sich an unser Sekretariat bei Frau Martina Zelzer per Email, Brief oder telefonisch (Dienstag und Freitag Vormittag) zu wenden (Freundeskreis Stadtmuseum Landshut e. V., Spiegelgasse 208, 84028 Landshut, Tel: 0871 22918, info@freundeskreis-stadtmuseum.de). Für die Erstellung des Zugangs ist die Erlaubnis zur Verwendung Ihrer Email-Adresse für diesen Zweck erforderlich (AH).

Herzlichen Dank

Ihr Vorstand

Literatur und Text im Umkreis des Landshuter Hofs und in der Stadt bis 1503

Tagung der Museen der Stadt Landshut und des Lehrstuhls der Universität Augsburg für Deutsche Literatur und Sprache in Bayern vom 28.-30.07.2021 in Landshut

Bernlochner Stadtsäle, Rathausprunksaal und Salzstadl

(16.07.2021) Gönner, Auftraggeber, willige Abnehmer oder geschmeicheltes Objekt von Fürstenlob – so inszenierte sich die herrschende Elite des Mittelalters in Bezug auf schöngeistige Literatur. Doch sie waren darüber hinaus auch vielseitig interessiertes Zielpublikum von allerlei Gebrauchstexten und Wissensliteratur, Enzyklopädik und Chronistik.

Für die Residenzstadt Landshut bis 1503 (dem Todesjahr des letzten sogenannten Reichen Herzogs von Bayern-Landshut) lässt sich eine ansehnliche Vielfalt an Literatur ausmachen, die nun in einer Tagung näher beleuchtet werden soll: Vom Fechtbuch über medizinische Fachbücher, Zeughausinventar, Kochbuch, geistlicher Literatur bis hin zum politischen Sangspruch und Minnedichtung gibt es anleitende, informative oder unterhaltende Literatur und Texte – von und für Herzöge und Ritter, Geistliche und Bürger und damit für jeden Stand. Hinzu kommen Textformen, die im Bereich von Kunst und Architektur zu verordnen sind oder einen dokumentierenden oder chronikalischen Charakter aufweisen, wie die Beschreibungen der Landshuter Hochzeit von 1475.

Die Tagung soll Autoren, Texte, Überlieferungsträger und Mäzene in der Stadt und am Hof Landshuts vorstellen, um so die Bedeutung, den Rang und den Anspruch näher zu beleuchten, den die Herzöge und Bürger Landshuts für sich selbst behaupteten. Es öffnet sich damit der Blick für das kulturelle Engagement einer ganzen Region und ihre Einbindung in den zeitgenössischen Literaturbetrieb.

Interessierte Zuhörer sind bei der Tagung, die in den Stadtsälen Bernlochner von 28.-30.07.2021 stattfindet und großzügig vom Freundeskreis Stadtmuseum Landshut e.V. unterstützt wird, herzlich willkommen. Die Tagung wird veranstaltet von den Museen der Stadt Landshut und der Professur für deutsche Literatur und Sprache in Bayern der Universität Augsburg.

Eine Anmeldung ist allerdings aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen unbedingt erforderlich (per Email an Verena.Linseis-Meier@landshut.de). (VLM)