LANDSHUTmuseum als Bühne für die zeitgenössische Kunst: Graffiti im Alten Franziskaner Kloster

(25.09.2020) Anlässlich der Reparatur von Wand-Schäden im alten Franziskaner Kloster bot sich die Chance für eine spektakuläre Aktion.

Zwei Wände im Inneren des Kreuzgangs wurden von Maximilian, einem jungen Künstler der Hallenser Street-Art-Szene, mit großformatigen Wandbildern neu gestaltet. Seine großformatigen Werke entstanden Ende September 2020 und werden bis Anfang November 2020 mit ihrer unbändigen Farbkraft eine Vorstellung von lebendiger Jugendkultur und aktiver Street-Art vermitteln. Als Reaktion auf die Coronakrise hat es weltweit eine Explosion von Street-Art-Aktionen gegeben: ›All Art has been contemporary‹.

Ein Ausschnitt aus einem der beiden zu besichtigenden Graffitis im LANDSHUTmuseum (AK)

Zum Auftakt war am Freitag, den 25. September 2020, die mobile Jugendarbeit der Stadt Landshut mit ihrem Moja-Bus auf dem Alten Franziskanerplatz vor dem LANDSHUTmuseum als Ansprechpartner für alle Jugendlichen präsent. Zwei Hinweise zu erfolgreichen Kooperationen zwischen Sprayern und Museen untermauern die Aktualität dieser Facette zeitgenössischer Kunst:
Der Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart in Berlin ermöglicht Sprayern seit sieben Jahren Wandgemälde im Innern des Museums. Ab Ende September 2020 gibt das Kunstmuseum Stuttgart mit der Ausstellung ›Wände | Walls‹ spannende Einblick in die Stuttgarter Szene.

Der Künstler Maximilian äußert sich selbst wie folgt zu dieser Aktion:

Graffiti als Kunstform unterliegt stets einer unweigerlichen Zeitlichkeit. Ein Großteil der Malereien sind meist nur für einen bestimmten Zeitraum erlebbar, sowohl draußen auf der Straße, als auch im Innenraum, wie im LANDSHUTmuseum.Der architektonische Raum des Doppelkreuzgangs ergibt sich nicht nur durch seine inneren Beziehungen, sondern auch durch die Art und Weise wie sich der Künstler darin bewegt. Durch Graffiti wird dieser neu definiert und aus seinem historischen Kontext herausgelöst. Den normalerweise im öffentlichen Außenraum gesprühten Malereien wird durch die Verortung im Innenraum eines Museums eine andere Wertigkeit zugesprochen. Graffiti dient dazu sich einen begrenzten öffentlichen Raum anzueignen. Es eignet sich somit den Museumsraum an und erzeugt bei den Betrachter*innen ein neues Erlebnis beim durch den Gang Schreiten. Im ansonsten leeren Kreuzgang werden die Betrachter*innen zum direkten Gegenüber des Bildes und tauchen im Voranschreiten in die Motivik des Künstlers ein. Es geht hierbei nicht um das gängige Malen von Buchstaben, Schriftzügen oder Namen, sondern vielmehr um eine freiere Umsetzung. Diese besteht aus Charakteren, abstrakten Elementen und abstrahierten Gegenständen, welche schon häufig vom Künstler in unterschiedlichen Ausführungen gemalt worden oder von Werken anderer Künstlern inspiriert sind. Die Darstellungen reichen von klassischer Malerei und darin vorkommenden Motiven zu denen der Pop Art. Entgegen der Annahme, Graffiti sei für Außenstehende unverständlich, soll hier mit Humor und bekannten Symbolen die Kommunikation zwischen Bild und Betrachter*in stattfinden und diese von den gewohnten Erwartungen von Graffiti und von einem historisches Museum wegführen. Die Graffitimalerei ist geprägt von Vernetzungen. Beim Vorziehen werden verschiedene Elemente des Bildes erschaffen, welche eine untereinander vernetzte Komposition erzeugen. Durch das Ausfüllen mit Farben und das Malen der Konturlinien und Schatten werden diese Elemente wieder voneinander getrennt. Jedoch nur augenscheinlich, denn die Struktur des Bildes unterliegt auch nach der Vollendung stets den am Anfang geschaffenen Vernetzungen. Das Auftragen von überlagernden Farbschichten lässt das Bild auf mehreren Ebenen entstehen.

Wir laden aller Mitglieder herzlich ein die Gelegenheit zu nutzen, sich selbst ein Bild von der Entstehung bis hin zum fertigen Bild dieser Graffiti-Kunst zu machen (AH, FN).

Absichten und Motivation dieser Sparte der Gegenwartskunst werden in der Dialogführung mit Dr. Franz Niehoff gewürdigt und diskutiert. Sprayer Max gab seiner Ausstellung ein Motto mit den auf Weg: Temporary (P)art: Usually I don’t do this. Die Führungen sind auf je 10 Teilnehmer begrenzt und kosten 4 € (Mitglieder des Freundeskreises Stadtmuseum gegen Vorlage des Ausweises frei) . Eine Anmeldung ist erforderlich unter Tel.: 0871/ 922 38 90 oder per Mail an museen@landshut.de.

Führungstermine:
Dienstag, 6. Oktober 2020, 15 Uhr
Donnerstag, 8. Oktober 2020, 15 Uhr
Samstag, 10. Oktober 2020, 15 UhrOrt: LANDSHUTmuseum, Alter Franziskanerplatz 438

Hier der Bericht von Niederbayern.tv über diese Aktion:

https://landshut.niederbayerntv.de/mediathek/video/graffiti-im-landshut-museum/